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Das Leben ist ein Feuerwerk – Eine Geschichte von Katja Lührs

© Nadine für PETA

Das Leben ist ein Feuerwerk

„Das Leben ist ein Feuerwerk!“, rief der Hase Schlappohr begeistert, als das Silvesterfeuerwerk tosend über dem Spiegelsee losbrach und den stockfinsteren Nachthimmel schlagartig in einen funkelnden Festsaal mit tausendfach sprühenden, bunten Lichtern verwandelte.

„Was für ein Spektakel!“, klapperte laut der Tukan mit seinem großen gelben Schnabel, als wollte er das laute Krachen, Böllern und Zischen übertönen. „Warum das alles? Und das jedes Jahr zur gleichen Zeit?“ Der Tukan ließ seine Flügel ganz weit nach unten hängen und beobachtete das Szenario argwöhnisch mit weit geöffneten Augen.

Nur der kleine Bär saß ganz still da und blickte staunend und erregt in den feuerspeienden Nachthimmel. Und nur das Zucken seines rechten Ohres verriet ein leichtes Erschrecken, wenn es im Lichtermeer immer wieder zu laut böllerte.

Schlappohr jedoch war nicht zu halten. Völlig verzückt und begeistert, als wäre er selbst ein fachkundiger Feuerwerksmeister, sprang er aufgeregt hin und her. Spielerisch versuchte er mit seiner rechten Pfote, im Teich widerspiegelnde Funken zu erhaschen. Vergebens! Als er es schon aufgegeben hatte und sich am Ufer neben seinen Freund, den Tukan, hinsetzte, um verzückt auf diese oder jene besonders schöne Lichterblume zu zeigen, geschah es: Kein trügerisches Spiegelbild, nein, es war ein echter strahlender Feuerwerksstern, der sich wie ein Schmetterling auf seine Pfote setzte, als wollte er sich einen wahrhaftigen Hasen einmal ganz aus der Nähe ansehen.

„Das bringt Glück.“

„Was für ein Wunder. Sieh nur, wie schön.“

„Das ist eine Glücksbotschaft für das nächste Jahr für uns drei.“

So riefen die drei Freunde aufgeregt durcheinander. Doch kaum war es ausgesprochen, da erlosch das kleine, weiße Sternenlicht schon.

Schlappohr kräuselte seine feine Hasennase und schnupperte in alle Richtungen:

„Au Backe! Findet ihr nicht, dass es hier überall plötzlich sehr brenzlig riecht? Ist das gesund? Sollten wir uns nicht lieber auf und davon machen?“

„Spielst du jetzt auf einmal den Angsthasen?“, klapperte der Tukan. Aber auch er schien immer noch aufgeregt zu sein, denn sein Federkleid stand um seinen Kopf herum plötzlich kerzengerade in die Höhe. Und nervös lachend fuhr er fort: „Mensch Freunde, das Getöse und Gedöns, die bunten Sterne, Streifen und Blitze am Himmel, das seht ihr nur einmal im Jahr! Also, genießen wir es!“

Der kleine Bär, der bisher fast nur geschwiegen hatte, schüttelte den Kopf: „Jetzt mal ernsthaft, Freunde. Du Tukan kannst ja jederzeit auf und davon fliegen! Aber wo tragen uns denn unsere Füße so schnell hin, wo es sicher ist? Wenn es brennt, ist der Wald doch nicht sicher. Es sei denn, wir schaffen es bis in meine Bärenhöhle. Da ist Platz für uns alle.“

„Danke für die Einladung. Ich hoffe mal, wir werden sie nicht brauchen.“ Und nachdenklich in die Runde blickend fuhr Schlappohr fort: „Warum veranstalten die Menschen das jedes Jahr und verpulvern allein in unserem Land 100 Millionen Münzen?“

„Wie viel Zeug ist das denn?“, krächzte der Tukan. Schon sprang er in die Luft, so hoch er konnte, und versuchte – mit den Flügeln weit ausholend – augenblicklich, eine Vorstellung davon zu geben, wie groß der Haufen Geld sein müsste. „Und das ist noch nicht alles, Freunde. Stellt euch mal vor, was da so weltweit zusammenkommt. Haufen über Haufen, richtig viel Geld!“

„Nein, wirklich?“, fragte Schlappohr und stellte seine Ohren mit einem Ruck kerzengerade, als könne er kaum glauben, geschweige denn verstehen, was er eben gehört hatte. „Und das alles verballern die Menschen Jahr für Jahr mit all dem Peng, Bum, Krach, Zisch, Bumstaratata. Was könnten sie damit alles Tolles und Dauerhaftes veranstalten und richtig vielen helfen!“

Und mit rauer werdendem Schnabel-Geknarre gab Tukan zu bedenken: „Und obendrein ist das Feuerwerksprogramm nichts, aber auch gar nichts für uns Tiere. Ich habe schon Vögel-Kollegen gesehen, die sind vor Schreck vom Baum gefallen und haben ihr Licht abgegeben!“

„Und könnt ihr euch noch an unsere Freundin Frau Floh erinnern?“, gab der kleine Bär zu bedenken. „Diesen grau-schwarzen Winzling von Hund mit den leichten O-Beinen. Da konnte man gut und gerne einen Riesen-Schneeball durchschießen.“

Da fiel bei Schlappohr sofort der Erinnerungsgroschen: „Ja klar, die arme Hundedame hatte sich vor lauter Angst und Schrecken beim letzten Feuerwerk in einen alten Fuchsbau verkrochen und kam da nicht mehr raus.“ „Und ich habe sie mit meinen breiten Bärentatzen schließlich ausgegraben und befreit. Denn ihr Menschenfreund lief hier tagelang verzweifelt im Wald umher und rief immer wieder ihren Namen. Deshalb konnte ich in der Mittagszeit kein Auge zu tun, kein Nickerchen halten“, brummte der kleine Bär, immer noch ärgerlich.

„Ich“, so der Tukan, „habe mir das teilweise humorvolle Schauspiel immer aus der Vogelperspektive angeschaut.“ „Hallo, lustig fand ich das zu keiner Zeit“, erinnerte sich Schlappohr. Wir Hasen waren es, die zu ihm in den Fuchsbau krochen und ihn ermunterten, doch endlich wieder zu seinem Menschenfreund zu laufen. Doch der Kleine zitterte bei dem Wort Mensch so sehr, dass seine Beißerchen aufeinanderschlugen. Das schallte in der kleinen Höhle so richtig gruselig.“

„So, wie ich mit meinem Schnabel rasseln und klappern kann?“, fragte der Tukan neugierig, in der Hoffnung, dass er auch gruselig klingen kann, wenn er nur will. „Nö, nö, nö, dein Scheppern hört sich ganz anders an, eher so, als ob eine Tür knarrt“, fiel ihm Schlappohr ins Wort. „Eigentlich kannst du gar nicht mitreden. Denn du hast dir das alles ja nur aus der Luft, aus deiner Vogelperspektive angesehen. Der absolute Meister in dieser Situation war doch unser kleiner Bär. Denn er hat Frau Floh nicht nur ausgegraben, sondern ihre Panikattacken wie weggezaubert! Ihr ein gewisses Vertrauen in ihren Menschenfreund zurückgegeben.“

„Wie hast du das denn angestellt?“

„Ich habe Floh klargemacht, dass dieses Höllenspektakel schnell wieder vorbei ist. Weiter: Es kommt nur ein einziges Mal im Jahr, immer zur gleichen Zeit vor. Deshalb kann man sich aussuchen, ob man sich in der Silvesternacht lieber in seinen Bau verkriecht oder mit anderen mutig zu dem Feuerwerk hingeht und sich eventuell auch daran gewöhnt. Wenn nur dieser Riesen-Krach nicht wäre. Es sieht ja auch alles schön glitzernd und bunt am Himmel aus. Na ja, und dann habe ich ihr erzählt, warum und wie in dieser Nacht hier und anderswo auf der Welt gefeiert wird. Mein tiefes Gebrumme dazu hat die zierliche Hundedame schließlich beruhigt. Mir ging es doch beim ersten Mal ganz ähnlich. Wir drei Freunde im Wald, die schon etwas älter sind, mehr Erfahrungen sammeln durften, genießen jährlich am Spiegelteich das funkelnde Lichter- und Sternenspektakel! Oder?“

„Ja, ab und zu, hin und wieder, schon! Da seht ihr es mal wieder: Der kleine Bär ist der klügste von allen Tieren hier im Wald“, ratterte der Tukan voller Anerkennung.

Bewunderung zeigte auch Schlappohr: „Warum bist du nur so klug?“

„Hatte ich dir das noch nicht erzählt?“

„Nein.“

„Aber für mich ist es kein Geheimnis“, entfuhr es dem Tukan aus seinem langen Schnabel. „Denn ich sitze ja sehr oft auf seiner Schulter. Und wenn er unter seinem Lieblingsbaum, der uralten Eiche, schläft, wache ich über ihn und platziere mich dann meist auf seinem kleinen Bauch. Ich kenne meinen Freund in- und auswendig. Und so ahne ich natürlich, wo er all seine viele Weisheit herzaubert.“

„Na, da bin ich aber gespannt, mein Freund Tukan, was du über mich zu wissen glaubst“, sagte der Bär.

„Nun sag schon, raus damit!“, forderte Schlappohr unwirsch.

„Dreimal darfst du raten!“

„Von deinen Bären-Verwandten?“

„Nein!“

„Aber bestimmt von anderen Tieren im Wald!“

„Nein!“

„Dann bleibt ja nur noch der Mensch?“

„Nein! Du kannst einem schon Löcher in den Bauch fragen!“

Aber Schlappohr blieb hartnäckig: „Also, mach schon, ich bin voller Spannung, wie ein Flitzebogen.“

„Ob du mir nun glaubst oder nicht, von meinem Lieblingsbaum im Wald, der uralten Eiche, die alle den Lebensbaum nennen!“

„Dort wo wir uns immer treffen? Wo wir die Sonne untergehen sehen und das Abendrot genießen? Wo wir tanzen, lachen, zwitschern, brummen und singen, nur so zur Freude und zum Spaß? Oft bis spät in die Nacht zum Zirpen der Grillen?“

„Ja, genau dieser Wunderbaum erzählt mir fast täglich wunderbare Dinge, und ich lerne immer wieder reichlich dazu.“

„Die alte Eiche und ich, wir leben unsere Seelenverwandtschaft voll aus! Schließlich leben wir ja auch in einem Märchenwald, und da ist vieles möglich, wovon der Bären-, Vogel-, Hasen- und der Menschenverstand noch keine Ahnung haben. Die Menschen halten sich ja immer für die Allerklügsten auf diesem Planeten. Aber es ist den Menschen mit all ihren fantastischen Informationsmaschinen immer noch nicht gelungen, die Klack-Klack-Sprache unserer Freunde, der Delfine, zu entschlüsseln, oder das Singen der Wale in den großen Ozeanen. Doch die Delfine, das weiß man, können die Menschensprache ziemlich gut verstehen. Der Baum und ich reden natürlich nicht so, wie wir Tiere hier untereinander reden. Und von der Wissenschaft der Menschen ist bekannt, dass sich Bäume Signale, Informationen schicken! Und das sogar über viele Kilometer hinweg.“

 

© Viva für PETA

 

„Also sprechen sie miteinander? Wie geht das denn?“

„Natürlich kommunizieren die Bäume in ihrer Sprache. Sie haben auch eine Art Alarmsystem und können somit Botschaften senden, wenn Gefahr droht. Wenn die alte Eiche plötzlich von

Insekten befallen wird, warnt sie ihre Eichen-Freunde über Duftbotschaften. Dann können die anderen Baumnachbarn Abwehrstoffe in der Rinde einlagern und sich schützen. Das haben Wissenschaftler unter den Menschen durch Messungen einwandfrei festgestellt. Aber nicht nur das. Bäume können sich zum Beispiel auch Nachrichten zusenden – ob es sehr trocken wird und man deshalb den eigenen Wasserverbrauch sparsamer einteilen sollte. Auch untereinander.“

„Okay. Die Kollegen von der gleichen Baumsorte helfen sich bei drohender Gefahr durch die Weitergabe lebenswichtiger Informationen, wodurch nicht nur einzelne Bäume, sondern letzthin der ganze Wald mit all seinen Bewohnern bessere Überlebenschancen hat. Sie halten eigentlich wie wir drei zusammen, frei nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark!“

„Aber kann man denn auch beweisen, dass sie noch viel mehr können, zum Beispiel richtig miteinander reden, fühlen und denken?“

„Weißt du, ein Baum ist ein Baum, und Tiere und Menschen sind völlig andere Wesen mit anderen Fähigkeiten zur Verständigung. Wir müssen das anerkennen und sollten nicht den Fehler machen, alles gleichzusetzen. Doch ich bin sicher, bei aller Vorsicht, dass wir noch einige Überraschungen erleben werden. Denn das allermeiste über die Verständigungsmöglichkeiten der Bäume untereinander wartet noch darauf, erforscht zu werden.“

„Ach so, ich verstehe, wir sollten jetzt nicht anfangen, wild drauflos zu spekulieren.“

„So ist es!“

„Aber auch, wenn das alles noch ein großes Mysterium ist: Man weiß jetzt schon ganz sicher, dass Bäume nicht nur Duftsignale an ihre Baumkollegen aussenden. Mithilfe von Netzwerken von Pilzen und anderen Pflanzen, die sich über viele Kilometer im Boden erstrecken, können sie auch Botschaften weiterleiten. Bei allen Unterschieden könnte man das Pilznetzwerk mit dem Glasfasernetz der Menschen vergleichen. Ihr könnt euch erinnern: Das Glasfasernetz haben sie streckenweise sogar durch unseren Wald verlegt, um überall auf unserem Planeten Informationen senden zu können. Die Menschen nennen ihr supermodernes Netz Internet. Aber lange, bevor Tiere und Menschen den Planeten erkundeten und besiedelten, gab es schon einen Vorläufer im Wald-weiten-Netz der Pilzgeflechte, dem ‚Wood-Wide-Web‘.“

„Ja, und meinst du denn, du weiser kleiner Bär, dass Bäume etwas fühlen können?“

„Früher haben die unwissenden Menschen uns Tieren ja Gefühle und Verstand abgesprochen! Sie haben uns wie irgendein Material, einen Stein behandelt! Nach Lust und Laune wurden wir benutzt, versklavt und gegessen. Zum Glück erkennen heute schon einige Menschen, dass Tiere genauso oder ähnlich fühlen wie Menschen. Wir alle stammen aus der gleichen Evolution, und letztendlich haben wir alle die gleichen Vorfahren, wenn wir weit in die Geschichte des Lebens zurückblicken. Verwandte und Freunde isst man nicht. Also, um jetzt endlich deine Frage zu beantworten: Die Menschen haben erst kürzlich entdeckt, dass Bäume eine Art Schmerz empfinden können, aber die wissenschaftliche Forschung steht hier noch am Anfang. Und wer weiß, was die Menschen in den nächsten Jahrzehnten noch alles über die Bäume entdecken werden!“

„Es ist ja schon der helle Wahnsinn, kleiner Bär, wie klug du bist!“, krächzte der Tukan aufgeregt. „Und wie hat dir die alte Eiche das so alles verklickert?“, konterte Schlappohr neugierig.

„Nun, ich bin ganz ehrlich: Das ist mir selbst ein Rätsel, ein Mysterium, ein Märchen, ein mit dem Verstand unerklärliches Wunder. Ich weiß nur, dass ich die alte Eiche, soweit ich mich zurückerinnern kann, immer sehr innig liebte. Fast jeden Tag kam und komme ich zu ihr, um sie fest zu umarmen und die Nähe und meine große Liebe spüren zu lassen. So als wären wir zwei Bären. Und ich bin fest davon überzeugt, dass sie meine Liebe spürt und mich ebenso liebt wie ich sie. Das ist das Einzige, was ich glaube, oder besser ausgedrückt, sicher weiß. Und daraus beziehe ich meine ganze Kraft. Ich habe es immer gehütet wie ein Geheimnis, weil ich fürchtete, die anderen Tiere würden über mich lachen und denken, ich wäre nicht nur klein, sondern auch noch verrückt. Aber nun, da ich weiß, wie sehr ihr mich schätzt, wage ich es, darüber zu sprechen.

Eines Tages, als ich die Eiche wieder umarmte, war es mir, als ob ich, wie in einem Traum eine Stimme hörte: „Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, kleiner Bär, dass du mich besuchst und mich umarmst. Und weil du mir damit so viel Glück schenkst, möchte ich dich an all meinem Wissen und meiner Weisheit teilhaben lassen, die ich in meinen vielen hundert Lebensjahren angesammelt habe. Und wenn du den richtigen Zeitpunkt und das richtige Lebewesen findest, kannst auch du dein Wissen weitergeben. Denn wir stammen alle aus der gleichen Lebensquelle. Wir alle und alles auf diesem wunderschönen, blauen Planeten sind aus Sternenstaub entstanden, und aus ihm alles Leben.

Seit diesem Tag teilen die alte Eiche und ich unser Wissen, wir haben allmählich gelernt, uns und die Sprache des anderen zu verstehen.“

„Ohhhhhhlala“, Hase Schlappohr hörte gar nicht mehr auf zu staunen. Sein Hasengesicht erschien wie ein großes Fragezeichen. „Sieben- und einmal in die Höhe gesprungen, dann zweimal im Kreis gedreht, ist das dein Ernst? Zwick mich mit deinem Schnabel, lieber Tukan, damit ich weiß, dass ich nicht träume! Unser Freund, der kleine Bär, ganz allein, spricht mit einem Baum?! Das möchte ich auch können! Kann ich das von dir lernen? Zeig mir doch, wie das geht. Wie schwer oder leicht ist das? Kann das jeder lernen? Muss ich zum Lernen etwas mitbringen, außer Mohrrüben?“

„Hallihallo“, der kleine Bär klopfte ihm zart und beruhigend auf die Schulter. „Dreh nicht durch, mein Freund, und bedenke: Ich habe mehr als ein halbes Bärenleben damit zugebracht, den Baum kennenzulernen. Und erst allmählich habe ich ihn verstanden. Und es hat viele Jahre gedauert, bis er allmählich Vertrauen zu mir fand. Bis zur Meisterschaft ist es ja immer ein langer Weg, der viel Liebe und Leidenschaft zu dem, was man erreichen möchte, verlangt. Und natürlich erfordert es auch ein hohes Maß an Geduld, Zielstrebigkeit, Verständnis, gute positive Gedanken und Achtsamkeit. Ich kann mir gut vorstellen, wenn ein Baum das bei dir spürt, und die Nähe mit dir für ihn eine wahre Freude ist, dass du die Bäume irgendwann ebenso verstehen kannst wie ich.“

Schlappohr neigte seinen Kopf leicht zur Seite. Und sein zuvor noch kerzengerade aufgerichtetes linkes Hasenohr schien allmählich einzuknicken. Er war ganz ruhig geworden und lauschte nur noch den Wörtern des kleinen, weisen Bären. Ganz nah drückte er sich an ihn heran. Mit der Pfote suchte er seine große Tatze.

Alle drei Freunde waren so tief im Gespräch versunken, dass keiner von ihnen bemerkte, wie still es inzwischen am Spiegelteich und überall im Wald und am Nachthimmel geworden war. Kaum ein Laut war noch zu hören. Der See glitzerte nur noch im Licht des Mondes. Ab und zu kräuselte sich die Spiegelfläche, wenn ein leises Lüftchen über das nachtschwarze Wasser strich, in dem sich der Mond spiegelte.

„Ach, ist das schön“, klapperte der Tukan, im Selbstgespräch versunken, erleichtert und leise vor sich hin, „jetzt haben wir wieder ein ganzes langes Jahr Ruhe und Frieden.“

„Und wir haben uns“, brummte zärtlich und kaum hörbar der kleine Bär, um die tiefe Ruhe und den Schlaf der Tiere im Wald nicht zu stören.

Doch Schlappohrs Temperament wurde wieder lebendig. Noch einmal rappelte er sich gähnend auf und hüpfte am Seeufer entlang, als wollte er sich noch einmal kurz aufwärmen. „Es war nicht so kalt, wie wir befürchtet hatten! Juhuuuu, und es fiel kein Schnee, und auch jetzt spüre ich noch keinen Frost! Wir können jetzt ganz in Ruhe zu unseren Höhlen hoppeln und ein paar Runden schlafen. Vielleicht auch einmal ein bisschen länger als üblich, bis neun, zehn, elf, statt sieben, fünf, acht?“

„Ein Vorschlag unter Freunden“, ergriff der kleine Bär das Wort, „so richtig gemütlich wird es nur, wenn wir alle in meine mit Blättern dicht ausgepolsterte Höhle kriechen, wo es uns so richtig schön warm und mollig werden wird.

So können wir dann gemeinsam die wundervolle Nacht ausklingen lassen und uns auf den nächsten Tag freuen!“

„Aber, bitte, Tukan, ausnahmsweise einmal ganz ohne dein morgendliches Schnabelgeklapper“, kicherte Schlappohr in seine zwei Pfoten. Da lachten sie alle gleichzeitig! Viel später hörte man nur noch ein sehr tiefes, sanftes Brummen, begleitet von Schlappohrs summendem, etwas pfeifendem Atem, und höchstens einmal in der Stunde öffnete der Tukan lautlos seinen langen, gelben Schnabel zu einem winzigen Spalt und dann vibrierte und klapperte es sehr leise.

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