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Vitamin B12: Fakten für Veganer

Stand: März 2011

Pflanzliche Nahrungsmittel sind die gesündesten. Im Vergleich zu Fleischessern leben Veganer länger, erkranken seltener ernsthaft, haben ein geringeres Risiko für Herz- und Krebserkrankungen und ein niedrigeres Herzinfarkt-Risiko. Rein pflanzliche Gerichte bieten eine adäquate Zufuhr aller notwendigen Nährstoffe - mit der möglichen Ausnahme von Vitamin B12. B12 ist wichtig für den Aufbau der roten Blutkörperchen und für die Funktion des Nervensystems. Ein B12-Mangel kann ebenso bei Menschen auftreten, die tierische Produkte essen. Der Körper hat in der Regel einen jahrelangen Vorrat angesammelt.

Traditionelle Quellen des B12

Laien sehen in der Möglichkeit einer B12-Unterversorgung von Veganern oft ein Anzeichen darin, dass die rein pflanzliche Ernährung nicht natürlich sei. Ein Blick auf die früheren, also natürlichen Quellen des Vitamin B12 zeigt, dass diese Schlussfolgerung falsch ist. B12 wird weder von Tieren noch von Pflanzen produziert. Es wird nur von Mikroorganismen wie Bakterien und Algen hergestellt. Vitamin B12 ist ein essentielles Vitamin und kann vom menschlichen Organismus nicht hergestellt werden. Genaugenommen kann es von Mikroorganismen im eigenen Dickdarm zwar produziert, doch nicht über die Dickdarmwand resorbiert werden. Leider findet sich Vitamin B12 nur in tierischen Lebensmitteln. Es wird in den Verdauungsorganen der Tiere von Mikroorganismen produziert. Von den Verdauungsorganen aus gelangt B12 dann in die Muskeln, andere Organe und die Milch. Über tierische Lebensmittel wird also B12 aufgenommen. In vergorenen pflanzlichen Lebensmitteln befindet sich ebenfalls Vitamin B12, allerdings nur in sehr geringen Mengen und in einer für den menschlichen Organismus nicht verwertbaren Form (Analoga). (1, 2, 3, 5).

Wie bekomme ich jetzt B12?

Lacto-Vegetarier (also Menschen, die kein Fleisch und keine Eier, aber Milchprodukte konsumieren) müssen sich in der Regel weniger Gedanken um Vitamin B12 machen. Wer keinerlei tierische Produkte zu sich nimmt, sollte darauf achten, dass eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 gewährleistet ist. Dies ist heutzutage sehr einfach, denn B12 kann seit mehreren Jahrzehnten synthetisch hergestellt werden (4). Viele Lebensmittel sind mit B12 angereichert. Vitamin B12 steht u.U. auch unter dem chemischen Namen Cyanocobalamin oder Cobalamin auf den Etiketten von Vitamipräperaten oder den Zutatenlisten von Nahrungsmitteln. Auch Soya-Drinks, Reis-Drinks und Säfte enthalten mittlerweile oft B12. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von drei Mikrogramm (4).
Es gibt Vitaminpräperate, die speziell für die Bedürfnisse von Veganern zusammengestellt sind. Beispielsweise VEG1 von der Vegan Society.

Vitamin B12-Mangel entsteht zum einen durch einen wirklichen Mangel in der Nahrung, zum anderen durch die Unfähigkeit, das Vitamin im Körper aufnehmen und absorbieren zu können. Die Ursache dafür liegt im Fehlen einer chemischen Substanz im Körper, die „intrinsic factor“ genannt wird. Ärzte können sehr leicht testen, ob eine Person B12 normal absorbieren kann. Ist dies nicht der Fall, nützt auch die Aufnahme einer größeren Menge des Vitamins über die Nahrung nichts. Das Vitamin muss dann per Injektion zugeführt werden.

Fazit

Sich rein pflanzlich ernährende Menschen sollten darauf achten, dass sie sich zur Sicherheit Vitamin B12 durch Nahrungsergänzungsmittel oder per Injektion zuführen. B12-Mangel beschränkt sich nicht auf Menschen, die vegan leben, sondern kommt auch bei Menschen vor, die sich anders ernähren. Veganer ernähren sich in erster Linie vegan, um das Leiden der Tiere zu verhindern und gegen die Ausbeutung und Tötung von Tieren in aller Öffentlichkeit einzustehen. Die vielen gesundheitlichen Vorteile sind eine positive Ergänzung. An einem Vitamin, das man leicht über Supplemente einnehmen kann, soll es nicht scheitern.

Interview zum Welt-Vegan-Tag am 1.11.2009:
Interviewpartner:
Dr. med. Ernst Walter Henrich, Allgemeinmediziner und Arzt für Naturheilverfahren

Frage 1:
Ist es nicht gesundheitsschädlich, sich vegan zu ernähren? Fehlt dem menschlichen Körper dann nicht etwas?
Antwort:
Ganz im Gegenteil, vegane Ernährung ist gesund, sofern sie richtig und abwechslungsreich durchgeführt wird. Dies hat auch die Amerikanische Gesellschaft für Ernährung (American Dietetic Association) wiederholt in Positionspapieren betont. Damit aber nicht genug, mittlerweile ist belegt, dass eine vegane Ernährungsform sogar einen gesundheitlichen Nutzen in der Prävention und Behandlung bestimmter Erkrankungen hat. Eine ausgewogene vegane Kost wird dem Nährstoffbedarf des menschlichen Körpers vollständig gerecht und ist damit für jede Lebensphase - einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Jugendzeit – bestens geeignet.

Frage 2:
Worauf sollte man bei einer veganen Ernährungsweise achten?
Antwort:
Ein wichtiger Punkt bei veganer Ernährung ist Vitamin B12. Vitamin B12 wird durch Bakterien gebildet, so dass Vitamin B12 so gut wie nur in tierlichen Produkten zu finden ist. Daher ist die Einnahme von einem Vitamin B12 in einem Nahrungsergänzungsmittel auf jeden Fall zu empfehlen. Es wäre aber völlig absurd, nur wegen Vitamin B12 tierliche
Produkte zu konsumieren und durch Fleisch, Milch und Käse ernsthaften Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Vorschub zu leisten.

Frage 3:
Gibt es Krankheitsbilder oder Gründe, warum man sich nicht vegan ernähren sollte? Und kann man dann auf eine vegetarische Ernährung umsteigen?
Antwort:
Jeder kann sich vegan ernähren, man muss aber auf eine abwechslungsreiche Ernährung und die zusätzliche Einnahme von Vitamin B12 achten.

Frage 4:
Vegan oder vegetarisch – was sind die Vor- und Nachteile der beiden
Ernährungsweisen?
Antwort:
Der einzige wirkliche Nachteil der veganen Ernährung ist die meistens erforderliche Einnahme von Vitamin B12. Der Nachteil der vegetarischen Ernährung ist die Aufnahme von Milch, Milchprodukten und Eiern.

Da die „Milchkühe“ immer trächtig sind, damit der Milchfluss nicht versiegt, gelangen die Schwangerschaftshormone in die Milch und die trinken wir dann. Wir trinken also größere Mengen an Östrogenen und Progesteronen, und diese Hormone begünstigen die Entstehung vieler Krebsarten, insbesondere von Brustkrebs, Ovarialkarzinom,
Endometriumkarzinom und Prostatakrebs. Außerdem wurde nachgewiesen, dass mit zunehmendem Konsum von Eiern das Diabetesrisiko extrem ansteigt.

Die vielen Nachteile der sogenannten Mischkost mit Fleisch, Milch und Eiern wird in vielen ernährungswissenschaftlichen Studien nachgewiesen, die den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Milchkonsum beweisen. Insgesamt spricht aus gesundheitlicher Sicht alles für eine vegane Ernährung.

Frage 5:

Gibt es noch andere Gründe für eine vegane Ernährung?
Antwort:
Weltweit hungern etwa 1 Milliarde Menschen. Jede Sekunde stirbt auf diesem Planeten ein Mensch an Hunger. Täglich sterben bis zu 43.000 Kinder an Hunger, während ca. 50 % der weltweiten Getreideernte und ca. 90 % der weltweiten Sojaernte an die „Nutztiere“ der Fleisch- und Milchindustrie verfüttert werden! Die Verfütterung von pflanzlicher Nahrung zur Erzeugung gesundheitlich bedenklicher tierischer Produkte stellt eine Absurdität, ein Skandal und eine Verschwendung der Superlative dar: Um nur 1 kg Fleisch zu erzeugen sind je nach
Tierart bis zu 16kg pflanzlicher Nahrung und 10-20 Tonnen Wasser notwendig.

Die „Nutztierindustrie“ und ihre Produktion von Fleisch und Milch ist durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Methan und CO2 noch vor dem Autoverkehr der Hauptverursacher der globalen Erwärmung und damit der Klimakatastrophe. Die für das Weltklima wichtigen tropischen Regenwälder werden für Weideflächen der „Nutztiere“ und zum Anbau der Futterpflanzen gerodet. Die „grüne Lunge“ der Mutter Erde wird in einem nie dagewesenen Tempo vernichtet.

Sogar das deutsche Umweltbundesamt hat die Verbraucher zu einem klimabewussten Verhalten und zur Einschränkungen beim Fleischverzehr aufgerufen. In der „Berliner Zeitung“ sagte Behördenchef Prof. Dr. Andreas Troge: „Wir sollten unseren hohen Fleischkonsum überdenken.“ Das tue nicht nur der Gesundheit gut, sondern nutze auch dem
Klima. „Und es bedeutet wohl kaum Verzicht auf Lebensqualität“, sagte der Umweltamtspräsident.

Der Vorsitzende der UNO Organisation „Intergovernmental Panel on
Climate Change“ (IPCC), der Friedensnobelpreisträger 2007 Rajendra Pachauri, rief dazu auf, weniger Fleisch zu essen, da der Fleischverzehr eine sehr klimaschädigende Angewohnheit sei. Studien hätten gezeigt, dass die Produktion von einem kg Fleisch Emissionen in der Größenordnung von 36,4 kg CO2 hervorruft.

Quellen
(1) Langley, Gill: Vegane Ernährung, Echo Verlag, 1999, S. 90ff
(2) Risi, Armin: Vegetarisch leben, Govinda Verlag, 2006, S. 22ff
(3) Clements, Kath: Vegan, EchoVerlag, 2006, 49f
(4) www.vitaminb12.de
(5) Prof. Dr. Claus Leitzmann; Dr. Markus Keller (2010): Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. UTB: Stuttgart



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