

Du möchtest einer kleinen Gruppe von verstoßenen Kaninchen (aus dem Tierheim) in eurem Garten ein 'zu Hause' geben, dann kannst du hier lesen, was du für die tiergerechte Haltung und Behandlung dieser Tierart am Besten machst.
Im Vordergrund sollte das Wohlergehen der Kaninchen stehen und wenn kein geeigneter Platz oder keine Zeit für diese Tierart vorhanden ist, sollte von einer Kaninchenhaltung generell abgesehen werden.
Zum Beispiel gibt es in Deutschland Myxomatosegebiete. Myxomatose ist eine hoch ansteckende, tödlich verlaufende Krankheit für Kaninchen.
In Myxomatosegebieten ist eine Kaninchenhaltung nicht zu empfehlen, weil es durchaus vorkommen kann, dass du die notwendige Impfung beim Tierarzt mal vergisst und dann besteht die Gefahr, dass deine Kaninchen elendig sterben. Ob du in einem Myxomatosegebiet lebst, kann dir der Tierarzt oder das örtliche Veterinäramt sagen.
Kaninchen sind eigenwillige, bewegungsfreudige Tiere, die ein eigenes 'Revier' zur ständigen, freien Verfügung wollen.
Und das Kaninchenrevier sollte nicht nur aus einem kleinen Käfig oder einem Gehege irgendwo in einer Ecke im Hinterhof bestehen. Denn die Tiere, die du dort gefangen hältst, müssen schließlich ihr gesamtes Leben darin verbringen. Sie können aus diesem Gehege nicht raus zum Spielen, Sport treiben, ins Kino, Schwimmbad oder in den Urlaub fahren. Auch gehen deine Kaninchen nicht raus zur Schule oder auf den Abenteuerspielplatz. Und sie sind auch nicht in der Lage, sich mit einem tollen Buch, Film, Musik oder Computer zu beschäftigen.
Für unser Menschenleben sind sie also nicht geschaffen. Was bedeutet aber dann ein erfülltes Kaninchenleben? Was versteht ein Kaninchen unter Leben, unter Lebensqualität? Leben bedeutet für Kaninchen vor allem in der Natur zu sein und dort Futter zu suchen, an Fichtenzweigen herum zu knabbern, Gras und leckere, essbare Kräuter in ca. 80 Minimahlzeiten über den gesamten Tag verteilt zu essen, den Wind, die Sonne und die Gerüche der Natur wahrzunehmen bzw. darauf zu reagieren.
Kaninchen brauchen deswegen bei dir ein ausreichend großes Stück Natur in deinem Garten. Eine für die Kaninchengruppe ausreichend große Freilauffläche zum Sprinten und Haken schlagen, sollte eingeplant werden. Je größer, desto besser. Ein Gehege von zwei oder vier Quadratmetern ist für zwei Kaninchen zum Beispiel viel zu klein.
Ist ausreichend Platz im Garten vorhanden, so versuche im zukünftigen Kaninchenrevier möglichst naturnahe Bedingungen mit Wildwiesengras, Büschen, Unterschlüpfen, Geäst zum Benagen, Steine und unterschiedlich hohe Holzklötze zum Klettern und 'Thronen' der ranghöheren Kaninchen zu schaffen. | ![]() |
Deine Kaninchen brauchen innerhalb ihres Reviers außerdem eine akzeptable, stattliche 'Kaninchenhöhle', die den Tieren als Zufluchtsort und Nachtquartier dient; z.B. eine Scheune, ein Gartenhäuschen oder auch ein Kellergeschosszimmer im Untergeschoss des Hauses, das vom Garten aus ebenerdig für die Kaninchen erreichbar ist.
Die Kaninchenhöhle muss durch eine Verbindung direkt vom Freilaufgehege für deine Hoppler zu erreichen sein. In der Kaninchenhöhle sollten sich weit hinten unterschiedlich hohe Liegeflächen (z.B. einfache Holzpaletten) befinden. Nahe dem Eingang sollte eine flache Plastikwanne mit Einstreu zum Versäubern stehen, wofür du zum Beispiel die Plasitkunterschale eines ausgedienten Kaninchenkäfigs benutzen kannst. Eine Heuraufe (z.B. ein alter Weidenkorb voll Heu) und flache Keramikschalen mit Frischfutter (Bio-Karotten, Bioäfpel von der Streuobstwiese) und Frischwasser stehen in der Mitte der Kaninchenhöhle für alle Kaninchen gleichermaßen jederzeit zur freien Verfügung. Die Kaninchenhöhle ist für deine Kaninchen der Schutz- und Zufluchtsraum. Kaninchen müssen nachts immer in diesem geschützten Raum sein. Es bietet sich an, abends immer zur gleichen Zeit eine rationierte 'Leckerlifütterung' (pro Kaninchen ca. z.B. einen Esslöffel Luzerne- oder Wiesenkringel) durchzuführen, dann hoppeln alle ganz schnell in ihren Stall / Gartenhaus und man kann die Klappe zu machen.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass nachts alle drin sind!
Die sichere Einzäunung des Kaninchenreviers überlässt du am besten deinen Eltern oder einem anderen Erwachsenen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Einzäunung.
Nähere Infos einer Einzäunung des Reviers mit einem Elektrozaun können deine Eltern auf der Website von Verena Stiess nachlesen. Allerdings können Elektrozäune für Kleinkinder gefährlich sein, deshalb ist es wichtig sich ganz genau darüber zu informieren.
Weitere tolle Fotos und Anregungen für die Gestaltung des Geheges deiner Kaninchen kannst du auf der Website von Verena Stiess abrufen.
Da Kaninchen Daueresser und Dauerkoter sind, ist es auch in der Hinsicht ratsam, im Hausgarten nur eine kleine Anzahl dieser Tiere zu beherbergen. Die Kaninchen sollten (früh) kastriert sein, damit blutige Rangordnungskämpfe und ungewollter Nachwuchs vermieden wird.
Oder möchtest du zerfetzte Ohren sehen? Ein bis höchstens vier Kaninchen haben in normalen Hausgärten Platz. Trotz Kastrationen ist jede Kaninchengruppe hierarchisch aufgebaut, das heißt, es gibt einen Leitrammler und eine Leithäsin, die die Führung der Gruppe übernehmen.
Beobachte die Tiere und du siehst recht schnell, wer innerhalb der Gruppe das Sagen hat. Kaninchen checken sich ständig duftmäßig ab, wer zur Sippe gehört, stärker oder schwächer ist. Jede plötzliche Veränderung der eingespielten Gruppenhierarchie von Außen löst eine Kettenreaktion von Rangordnungskämpfen aus. Also bitte nicht das Kaninchen der Freundin aus der Nachbarschaft einfach mal in dein Kaninchenrevier setzen und gucken, was passiert! Oder eines von deinen Kaninchen aus seinem vertrauten Revier für längere Zeit entnehmen oder gar mit Seife waschen, so dass es danach für die Sippe 'fremd' riecht!
Du selbst und deine Freunde sollten den natürlichen Tagesablauf der Kaninchen respektieren. So wollen Kaninchen am Morgen und am Abend voll aufdrehen, sich besonders viel bewegen und vor allem viel essen, hingegen über den langen Mittag (teilweise von 10 – 18 Uhr) ist bei diesen Tieren Siesta und Ruhe angesagt.
Meist liegen sie dann im Halbschlaf irgendwo unter einem Busch oder in ihrer 'Höhle' dösend in Seitenlage oder mit angezogenen Füßchen in 'Hühnerstellung'.
Dann wollen die Tiere nicht gestört werden. Wer also in der Kaninchensiestazeit unbedingt nebenan laut Musik hört, mit dem Handy piepst, laut schreit, seinen Mofamotor röhren lässt, mit dem 2000 Watt-Staubsauger saubermachen oder euer Vater mal wieder den Motorrasenmäher dröhnen lässt oder seine Tiere gar zum Kuscheln zwingt, ist nicht gerade tierlieb!
Die schreckhaften Kaninchen sind sehr geräuschempfindlich! Erst kürzlich hat ein Kaninchen einen tödlichen Herzschlag bekommen, weil sein Halter ohne Vorwarnung neben dem Stall eine Kreissäge gestartet hat.
Versuche deine Kaninchen so wenig wie möglich 'auf den Arm' zu nehmen, auch wenn das bei diesen süßen, weichen, liebreizenden Wesen wirklich schwer fällt.
Die scheuen, ängstlichen Tiere empfinden plötzliches, willkürliches, schnelles Hochheben als teils lebensbedrohliche Qual und flüchten in der Folgezeit bei der nächst besten Gelegenheit vor dir.
Sie empfinden dich innerhalb kürzester Zeit nur noch als übermächtige Bedrohung. Und dann hast du ganz langweilige, ständig zusammengekauerte Kaninchen, die immer die Flucht ergreifen, wenn du ihnen nahe kommst.
Ist das toll und amüsant? Hast du dann Freude an den Kaninchen?
Besser und viel schlauer ist, wer sich auf den Boden zu seinen Tieren setzt oder sogar legt und sich ganz-ganz langsam und leise bewegt, um dem kleinen scheuen Fluchttier auf gleicher Ebene näher zu kommen.
Nicht eingreifen und zugreifen, wenn nicht gleich 'action' kommt. Mit der Zeit schöpfen die scheuen Tiere dann Vertrauen zu dir und kommen auf dich zu. Derjenige, der sich viel Zeit nimmt, um einfach mal zu beobachten, was die Kaninchen so machen, hat die besten Chancen, mit den Kaninchen zu kommunizieren; wie eine 'Kaninchenversteherin'.
Du wirst überrascht sein, was du da alles erlebst!
