
Kristina Baumjohann arbeitet als selbständige Kriminalbiologin u.a. mit dem bekannten Forensiker Mark Benecke zusammen und stellt dir Insekten ganz anders vor:
Doch bevor es losgeht möchte ich mich kurz vorstellen:
Ich heiße Kristina Baumjohann und bin Biologin von Beruf. Während meines Studiums habe ich mit Bienen (Insekten) und Bienenmilben (Spinnentiere) gearbeitet. Seit einigen Jahren arbeite ich im Bereich der krimininalistisch-rechtsmedizinisch relevanten Insektenkunde (forensische Entomologie) und habe mit den verschiedensten Insekten zu tun, die einen toten Körper aufsuchen. Was die Tiere dort machen und warum sie totes Gewebe aufsuchen, erzähle ich euch später.
Insekten bilden die größte Tierklasse auf der Welt. Zu ihr gehören mehr als eine Million Arten. Fast 80 % aller Tiere weltweit sind Insekten. Menschen und die restlichen Säugetiere machen dagegen einen nur verschwindend geringen Prozentanteil aus -- er ist vergleichsweise so groß wie ein Fliegenschiss gegenüber einer großen Wassermelone.
![]() | Insekten werden auch als "Hexapoda" bezeichnet. Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Sechsbeiner". Ihr könnt also ganz einfach die Beine eines Tieres zählen und schon wisst ihr, ob es ein Spinnentier oder ein Insekt ist: hat es sechs Beine, ist es ein Insekt. Hat es acht Beine, ist es ein Spinnentier. |
![]() | Das ist natürlich reine Ansichtssache. Manch einer von euch findet es auch eklig, wenn die Bananenschale braun ist oder die feuchten Küsschen der Tante. |

Gewittertierchen © wikipedia.de
Mich selbst verblüfft es immer wieder zu sehen, was es doch für kleine Insekten gibt und was sie alles können. Schauen wir uns einmal die sogenannten "Gewittertierchen" an.
Eigentlich heißen sie Fransenflügler oder Blasenfüßer. Sie lassen sich gerne auf unserer Haut nieder, wenn die Luft draußen schwülwarm ist. Sie kribbeln und kitzeln und dann schlagen wir sie weg und drücken sie mit unseren riesigen Fingern platt. Aber habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, wie verrückt es doch ist, dass diese kleinen Tierchen laufen, fliegen, landen, gucken, riechen, verdauen, kurz: leben können?
In ihren winzigen Körpern laufen so unendlich viele Prozesse ab, die sie existieren lassen. Selbst die begabtesten Wissenschaftler und Techniker könnten so etwas nicht nachbauen.

Dieter Haugk / pixelio.de
Insekten werden daher als wechselwarm bezeichnet. Insekten brauchen Wärme um zu funktionieren. Im Frühling sieht man häufig Fliegen auf besonnten Häuserwänden sitzen. Sie tanken die Energie der Sonne.
Im Winter sieht man kaum Insekten. Es ist einfach zu kalt für sie. Viele Insekten verfallen in eine Art Winterschlaf, um erst bei steigenden Temperaturen zu erwachen.
Anders verhält es sich bei den Grillenschaben, die auf den Schneefeldern der Hochgebirge oder in Eishöhlen vorkommen. Sie ernähren sich von anderen, toten Insekten, die den niedrigen Temperaturen nicht standhalten können, erfrieren und von den kalten Winden verweht werden. Doch warum können die Grillenschaben dort leben? Sie konnten diesen Lebensraum für sich einnehmen, da sie ein körpereigenes Gefrierschutzmittel produzieren.
Es ist vergleichbar mit dem Gefrierschutzmittel, das man im Winter fürs Auto benötigt, damit die Scheibenwischflüssigkeit nicht einfriert. Bei den Insekten handelt es sich um die Substanz Glycerol. Glycerol verhindert, dass sich in der Körperflüssigkeit der Tiere Eiskristalle bilden. Somit können sie auch unter eisigsten Bedingungen aktiv bleiben während andere Insekten sterben. Um Tieren mit solch einer famosen Anpassungsleistung zu begegnen müsst ihr jedoch nicht zum Himalaya fahren, ihr könnt Tieren mit eigenem Frostschutzmitteln auch hier begegnen: der Marienkäfer kann ebenfalls Glycerol produzieren. Hättet ihr das gedacht?
Insekten sind in jedem Lebensraum vertreten und zeichnen sich durch ihre enorme Anpassungsfähigkeit aus. Wusstet ihr, dass es einen Eulenfalter gibt, der anstatt Blütennektar, die Tränenflüssigkeit von Rindern und Büffeln trinkt? Was denkt ihr, hat ihn wohl dazu gebracht? | ![]() Eulenfalter © wikipedia.de |
![]() | Manche von ihnen können jedoch Vögel auch aktiv abschrecken. Fühlen sie sich bedroht, falten sie ihre Flügel auseinander und zeigen ein großes Augenpaar. Für die Vögel bedeutet dies "Achtung, hier ist ein großes Tier" und so haben sie es eilig wegzukommen um nicht selbst gefressen zu werden. |
Insekten zeigen auch eine Vielfalt chemischer Verteidigungswaffen. Hier kommt wieder der Marienkäfer ins Spiel. Fühlt er sich von einem Fressfeind gestört, gibt er an seinen Beingelenken eine bitter schmeckende gelbe Flüssigkeit ab.
Vögel beispielsweise lernen so, die leuchtende Farbe mit dem sehr abstoßenden Geschmack in Verbindung zu bringen und lassen die Marienkäfer künftig in Ruhe.
Wiederum andere Insekten machen sich dieses Lernverhalten von Räubern und Feinden zu Nutze und imitieren deren warnenden Farben oder Muster. Diese Insekten können sich nicht chemisch schützen, sie setzen allein auf den abschreckenden optischen Effekt. Ein einheimisches Beispiel ist z.B. die Schwebfliege, die mit ihrer Zeichnung eine Wespe imitiert. Tiere, die bereits schlechte Erfahrungen mit den stechenden Vertretern gemacht haben, werden es sich zweimal überlegen, ob sie sich einer Schwebfliege nähern. | ![]() Schwebfliege © wikipedia.de |
Die Sinnessysteme der Insekten unterscheiden sich stark von denen des Menschen. Sie haben keine Nase und riechen mit ihren Fühlern oder Antennen. Sie schmecken mit Sinneszellen an ihren Füßen und mit ihren Mundwerkzeugen.
Besonders ausgeprägt ist das Sehsystem der Insekten.
Aufgrund ihrer Eigenschaft fliegen zu können, muss dieser Sinn besonders stark ausgeprägt sein, um ein sicheres Landen und Ausweichen sowie einen koordinierten Flug gewährleisten zu können. Insekten besitzen sogenannte Komplexaugen, die aus tausenden einzelnen Linsen bestehen. Jede Linse vermittelt den Tieren ein eigenes Bild, um schnell auf Bewegungen im Umfeld reagieren und um Informationen über Entfernungen im Flug verarbeiten zu können. Bei diesen Insekten wird der Kinofilm zur Diashow. Im Gegensatz zu uns Menschen verarbeiten sie ca. viermal mehr Bilder in einer Sekunde.
Insekten können noch so einiges mehr. Manche verfügen über einen eigenen magnetischen Kompass, der es ihnen erlaubt, über tausende von Kilometern jährlich dieselben Routen zu nehmen, um beispielsweise bestimmte Futterplätze aufzusuchen. | ![]() Biene © wikipedia.de |
![]() Ameise © wikipedia.de | Manche Insekten wie Ameisen, Bienen, Wespen oder auch Termiten wohnen in sozialen Gefügen. Sie haben eine eigene Struktur und jeder, der daran teilnimmt, hat bestimmte und definierte Aufgaben zu erfüllen. Nur so kann das Zusammenleben funktionieren und können diese speziellen Arten existieren. |
![]() | Schüler für Tiere haben mit einer Aktion aufmerksam auf das Leid der Insekten gemacht, die als sogenannte Futtertiere in winzigen Plastikbehältern leben müssen. |