Speziesismus erkennen

Ein illustriertes Schwein, Krokodil, Oktopus, Kuh, Schmetterlinge und zwei Menschen sitzen auf der Wiese

Speziesismus im Alltag erkennen und mit Kindern aufarbeiten

„Kinder sind unsere Zukunft!“ ist eine weit verbreitete Redewendung und vermutlich allen bekannt.

Doch wie junge Menschen die Zukunft gestalten, wird maßgeblich davon bestimmt, was unsere Gesellschaft ihnen vorlebt.

Kinder werden in der Regel mit Neugier und Mitgefühl für alle Lebewesen geboren. Doch schon früh wird ihnen vorgelebt, dass Leben unterschiedlich bewertet wird. Schweine, Hühner und Kühe sind zum Essen da, Hunde, Katzen und Kaninchen als Freunde (die aber unseren Schönheitsidealen entsprechen sollen) und wieder andere schauen wir zur Unterhaltung eingesperrt in Zoos, Zirkussen und anderen Shows an oder nutzen sie aus, um an ihnen zu experimentieren. Diese Diskriminierung anderer Lebewesen und die Einteilung nach ihrem vermeintlichen Nutzen für uns Menschen ist willkürlich und dennoch tief in unserer Gesellschaft verankert. Es gibt einen Begriff dafür: Speziesismus.

Speziesismus im Alltag erkennen

Von klein auf prägen Familie, Bildungseinrichtungen, Freund:innen, die Werbung und auch Lehr- und Spielmaterialien die Sicht von Kindern auf Tiere und festigen den Irrglauben, Tiere ließen sich nach dem Wert für den Menschen einteilen. Alltäglich wird ihnen vorgelebt, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse über die anderer Lebewesen stellen. Meist wird den Kindern dabei ein geschöntes Bild von der leidvollen Lebensrealität der Tiere gezeigt: glückliche Kühe auf Milchpackungen, tote Tiere in Bärchenform gepresst oder lachende Tiere in Zoo-Geschichten. Selbst in Schulbüchern werden sogenannte Nutztiere als reine Ressource dargestellt – eine Studie der Universität Osnabrück hat dies in einer Untersuchung der deutschlandweit zugelassenen Bücher für die Naturwissenschaften der 5. bis 6. Klasse festgestellt. Im Vergleich zu den sogenannten Haustieren sind die „Nutztiere“ allein auf ihren Wert als „Produkt“ reduziert, nicht auf einen Eigenwert als fühlendes Lebewesen. [1] Dadurch, dass wir die Tiere objektifizieren, können wir uns emotional abgrenzen von all dem Leid, das wir ihnen antun – denn wir Menschen töten jährlich ca. 80 Milliarden Landlebewesen für unsere Zwecke.

Kinder vor der Gewalt an Tieren schützen

Erwachsene sind zu Recht besorgt, Kindern das reale Leid der Tierindustrien zu zeigen, denn selbst für uns ist es oft nur schwer zu ertragen. Auch ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder emotional belastet werden und abstumpfen können, wenn sie Gewalt an Tieren erleben. [2] Weshalb sie auch laut Kinderrechtskonvention vor der Gewalt an Tieren geschützt werden müssen. [3]

Unsere Gesellschaft macht es sich jedoch oft einfach – Tiere werden zu Maschinen, Objekten und Produkten degradiert, damit wir uns emotional distanzieren können. Dennoch wird damit nur die leidvolle Lebensrealität der Tiere verschleiert und jede Entscheidung für ein Tierqualprodukt ist eine Entscheidung gegen unsere persönlichen Wertvorstellungen.

Es ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass unser gesellschaftlicher Umgang mit Tieren zu grausam ist, um Kindern die Realität zu zeigen, dass wir grundsätzlich einen neuen, respektvollen und mitfühlenden Umgang mit anderen Tieren anstreben müssen.

Speziesistische Denkmuster aufbrechen

Wir alle können alltäglich dazu beitragen, dieses diskriminierende Bild vom Umgang mit fühlenden Lebewesen aufzubrechen und mit gutem Beispiel vorangehen: mit tierfreundlichen Spielsachen, einer tiergerechten Sprache, tierfreundlicher Freizeitgestaltung und einer kritischen Auseinandersetzung mit jeglicher Form der Tierausbeutung. Doch auch in den Kitas und Schulen muss eine ethische Perspektive auf den Umgang mit allen Tieren dringend verankert werden.

Jeden Tag tierfreundliche Entscheidungen treffen

Es ist Zeit für einen gesellschaftlichen Wandel. Die Gesellschaft entwickelt sich stetig weiter, es wurde für mehr Gerechtigkeit gekämpft und das Bewusstsein für einen gerechten Umgang mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt geschärft.

Diese Gerechtigkeitskämpfe können wir auf alle unsere Mitlebewesen übertragen und sie als gleichwertige, fühlende Individuen anerkennen, die ein Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit haben. Es ist nicht normal, Tiere einzusperren, auszunutzen und zu töten – es ist nur als vermeintlich normal in vielen Köpfen verankert und tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Wir können jeden Tag gegen diese Ungerechtigkeit im Umgang mit anderen Lebewesen einstehen, damit Kinder eine Zukunft gestalten können, in der es selbstverständlich ist, alle Lebewesen als gleichermaßen wertvoll zu betrachten und alle Lebewesen mitfühlend als eigenständige Individuen zu behandeln.

Kinder in ihrem Engagement für Tiere bestärken

PETAKids unterstützt Sie dabei Kinder in ihrem Engagement für alle Lebewesen zu bestärken – denn Kinder sind die Zukunft aller Tiere. Wir richten uns an Eltern, Erziehende, Lehrende, Pädagog:innen, an bildungspolitische Entscheidungsträger:innen und natürlich an die Kinder. Wir alle tragen Verantwortung für eine kritische Auseinandersetzung mit dem tief in unserer Gesellschaft verankerten Speziesismus.

Wie das PETAKids-Bildungsnetzwerk dabei unterstützt:

  • Kindgerechte Webseite PETAKids.de
  • Tipps für tierfreundliche Kinderbücher, Materialien und Ausflugsziele
  • Netzwerk aus Referent:innen in ganz Deutschland, die Workshops in Bildungseinrichtungen geben
  • Kostenfreie Unterrichtsmaterialien
  • Impulsvortrag zum Thema Tierethik in der Bildung – alle zwei Monate, kostenfrei online 
  • Digitale Sprechstunde – alle zwei Monate, kostenfrei online 

PETAs Verständnis von Tierrechtsbildung

Im Rahmen der Kampagne PETAKids stärken wir das Bewusstsein von Kindern für einen achtsamen und respektvollen Umgang mit allen Lebewesen im Sinne des Beutelsbacher Konsenses. Wir ermutigen sie, den gesellschaftlichen Umgang mit anderen Lebewesen kritisch zu hinterfragen, und informieren die Kinder faktenbasiert und umfassend – natürlich altersgerecht. Dabei halten wir uns streng an das Überwältigungsverbot und ermöglichen eine kontroverse und kritische Diskussion über unseren gesellschaftlichen Umgang mit anderen Tieren.

[1] Universität Osnabrück: Diskriminierung in Schulbüchern: Wie Nutztiere benachteiligt werden,
https://www.uni-osnabrueck.de/campusleben/uni-news/pressemeldungen/details-pressemeldungen/2024/12/diskriminierung-in-schulbuechern-wie-nutztiere-benachteiligt-werden (eingesehen am 20.05.2025)

[2] Journal of interpersonal violence, “It’s a Dog’s Life”: Culture, Empathy, Gender, and Domestic Violence Predict Animal Abuse in Adolescents— Implications for Societal Health, https://eleonoragullone.files.wordpress.com/2016/07/plant-et-al-j-interpers-violence-2016-with-doi-1.pdf (eingesehen am 31.08.2023)

[3] United Nations Office of the High Commissioner for Human Rights, General comment No. 26 (2023) on children’s rights and the environment with a special focus on climate change, https://www.ohchr.org/en/documents/general-comments-and-recommendations/general-comment-no-26-2023-childrens-rights-and (eingesehen am 28.08.2023)