

Ein mulmiges Gefühl breitet sich unter den Tieren im Zoo aus, wenn sie die Schritte von Zoodirektor Müller hören. Schon zweimal sind Tiere aus dem Zoo plötzlich verschwunden und die Töchter von Müller wurden später in ‚bekannten’ Pelzmänteln gesehen.

Hamlet
Wolf Hamlet ahnt, dass diesmal er für einen Pelzmantel herhalten muss.
Mit der Hilfe seines Gorillafreundes Barnabas gelingt ihm die spektakuläre Flucht aus dem Zoo und er macht sich auf die Suche nach dem Wilden Pack.
Barnabas hat ihm erzählt, dass irgendwo unterhalb der Stadt, in alten U-Bahn-Schächten, das Wilde Pack lebt.
Alle Tiere leben hier zusammen in Freiheit, mit der einzigen Regel, keiner darf den anderen fressen.....
..... mehr wird nicht verraten....ob Hamlet das Wilde Pack findet, ob sie auch Barnabas aus dem Zoo befreien können?
Jede Menge tierischer Helden, die für ihre Freiheit kämpfen!

Boris Pfeiffer
Lieber André, lieber Boris,
bisher waren Jugendliche die Helden eurer Bücher 'Die Drei ???'. Wie kommt es, dass ihr jetzt Tiere als Helden gewählt habt?
Boris: Als wir beide uns anlässlich einiger Lesungen, die wir hielten, auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernten, mochten wir uns auf Anhieb. Der Gedanke, einmal etwas zusammen zu schreiben, folgte auf dem Fuße. Aber wir wussten nicht sofort, dass es sich dabei um die Geschichte des Wilden Packs, also um unsere Helden den Wolf Hamlet, den Gorilla Barnabas, das Schnabeltier Oskar, das Stinktier Tulpenblüte und die anderen, handeln würde.
Diese Bande und ihre Geschichte um das Freiheitsschiff, das die Tiere sich selber bauen, bildete sich erst im Laufe von einigen Gesprächen und Treffen heraus. Wir haben uns dafür über Monate immer wieder getroffen und miteinander geredet, rumgesponnen, nachgedacht. Und irgendwann stand dann der junge Wolf Hamlet vor unserem geistigen Auge. Ihm folgte Barnabas, der Gorilla. Und ganz allmählich begann die Geschichte des Wilden Packs in uns zu wachsen.
Warum also Tiere? In diesen Tieren steckt ganz viel von uns. Viele Wünsche, wie das Leben sein könnte, wenn man an richtig gute Freundschaft denkt, an Zusammenhalt, an Willensstärke und das Umsetzen der eigenen Phantasie in Taten. Aber auch viel Wirklichkeit, viel Realität, die uns umgibt: Wie das Eingesperrtsein im Zoo, das gegenseitige Misstrauen, Furcht oder Mutlosigkeit.
Auf einer unserer Lesungen sagte neulich ein zehnjähriger Junge zu uns, er fände das Wilde Pack deswegen toll, weil im Paradies (so heißt das unterirdische Geheimversteck des Wilde Packs) nicht immer alle gut sei. Und das ist sehr wichtig. In unseren Geschichten über die Tiere stecken auch die schwierigen Seiten des Lebens, und erst diese führen zum Erfahren der eigenen Kräfte, zum Meistern dieser schwierigen Situationen. Das Wilde Pack kann eine Menge Mut machen, und die Tiere des Wilde Packs leben verborgen vor den Menschen auf eine Art, die ein Kind bestimmt an das Leben von Kindern in der Erwachsenenwelt erinnern kann.
Die Tiere sind einerseits genau die Tiere, die sie sind. Ein Wolf, der im Zoo aufgewachsen ist. Ein Gorilla, der vor langer Zeit aus dem Dschungel entführt wurde. Ein Schnabeltier, das nicht weiß, was für ein Tier es ist, weil es noch so ein Tier wie sich selber getroffen hat. Ein Stinktier, das eine Zeit lang bei der Polizei als Polizeistinktier arbeiten musste. Ein schlaues Chamäleon, das mit seiner nachdenklich-kauzigen Art aneckt, auch wenn es noch so clever ist. Ein miesepetriger Pavian, dem man nichts recht machen kann. Eine starke und elegante Pantherdame, die mit ihrer Angst vor Wasser und vor den Menschen kämpfen muss. Und noch ein paar andere.
Und diese Tiere sind gleichzeitig eine Gruppe von jungen Wesen, die in einer Menschenwelt von Erwachsenen zurechtkommen muss, die sich dabei behaupten lernen, und die ihre eigenen Träume und Ideen verwirklichen. Sie sind also Wesen, die wir in zweierlei Hinsicht kennen und lieben: Wilde Tiere und Kinder.

André Marx
Was gefällt Kindern an den neuen Helden der Bücher ‚Das Wilde Pack’ besonders gut?
Boris: Unsere Leserinnen und Leser mögen am Wilden Pack die einzelnen Tiere, wie sie jeder für sich drauf sind, wie sie denken und handeln. Sie lieben, dass die Tiere sich ihre eigenen Gedanken machen, sie laut aussprechen, verhandeln und ihre Träume verwirklichen. Das Wilde Pack ist keine Gruppe von Eiapopeia-Tieren, bei denen alles immer glatt läuft. Sie können nicht zaubern, und sie haben eine Menge Schwierigkeiten zu meistern. Aber sie sind klug und tatkräftig genug, sich ihrem Leben zu stellen und sich niemals unterkriegen zu lassen. Sie müssen jeden Tag um ihre Freiheit kämpfen und darum, in der Welt zu überleben und zu bestehen. Und das schaffen sie, weil sie über die Menschenwelt nachdenken, sie erkennen und in ihren Schwächen und ihrem Wahnsinn nicht immer durchschauen, aber grundlegend verstehen.
Dadurch schaffen es die Tiere, die Verhältnisse durch ihre Pläne und Taten wieder so zurechtzurücken, dass die Welt lebenswerter wird. Durch das Wilde Pack wird die Welt besser und lebendiger als das, was wir und unsere Leserinnen und Leser jeden Tag so vorfinden. Eine unserer Ideen für eine neue Geschichte heißt übrigens „Das Wilde Pack geht in die Schule“. Da werden die Tiere auch noch mal die Puppen tanzen lassen.
André: Genau, das sollten wir nicht vergessen: Die Kinder mögen das Wilde Pack auch deshalb, weil die Tiere sehr lustig sind! Lustig und kreativ.

Barnabas
In der Buchreihe geht ihr darauf ein, was Tiere vermissen, wenn sie eingesperrt leben. Woher habt ihr die Ideen und Anregungen dafür?
Boris: Das kommt ganz aus uns, aus unseren Gefühlen und unserer Vorstellungskraft. Viele werden ja von dem Wolf gehört haben, der ein paar Monate nach dem Erscheinen des Wilden Packs aus einem Osnabrücker Zoo geflohen ist. Oder die nicht so schöne Geschichte von dem Berliner Zoodirektor, der möglicherweise nicht wirklich gut mit seinen Tieren umgeht. Auf keine dieser Geschichten haben wir uns je berufen. Die sind alle passiert und in die Zeitungen gekommen, nachdem wir uns die ersten Bücher ausgedacht und geschrieben haben.
Ich glaube, es ist hier wie oft im Leben: Eine gute Geschichte trifft den Nagel auf den Kopf. Und das scheint auch mit dem Wilden Pack so zu sein. Wir erzählen unsere Geschichten, und die Welt zeigt dann Tag für Tag, dass sie den Nagel auf den Kopf treffen.
Wie schreiben zwei Autoren an einem Buch? Sitzt ihr zusammen oder schreibt jeder ein Kapitel nacheinander?
Boris: Zuerst denken wir uns die Geschichte gemeinsam aus. Das dauert mal ein paar Tage, mal ein paar Wochen. Dann fängt einer von uns an und schreibt zehn oder zwanzig Seiten. Die gibt er dann dem anderen zu lesen. Der überarbeitet sie, fügt hinzu, streicht aus oder dreht an einem Punkt die Geschichte auch mal etwas in eine andere Richtung. Danach schreibt er selber noch zehn oder zwanzig neue Seiten. Das Ganze schickt er dann dem anderen. Und der macht es genauso wie der davor. Auf diese Weise schicken wir uns das Buch ein paar Mal hin und her, bis wir beide sagen: So ist es gut, jetzt geben wir es raus.
Soll ‚Das wilde Pack’ verfilmt werden?
Boris: Das wissen wir nicht. Jetzt erscheinen erstmal die Hörspiele, für die wir beide auch die Drehbücher schreiben. Wenn eines Tages ein Filmproduzent auf die Idee kommt, dass er das Wilde Pack gerne verfilmen möchte, dann können wir oder der Kosmos Verlag mit ihm darüber sprechen. Viele Menschen fragen uns danach, ob es das Wilde Pack auch als Film geben wird. Wir scheinen eine Art zu haben zu schreiben, die wirklich viele Bilder im Kopf weckt.
Habt ihr selbst Tiere oder als Kinder Tiere gehabt?
Boris: Ich bin mit einem Schäferhund und zwei Katzen groß geworden.
André: Ich hatte einen Wellensittich, der einen tragischen Tod gestorben ist, danach wollte ich kein Haustier mehr.

Boris Pfeiffer
Warum schreibt ihr für Kinder?
Boris: Vor ein paar Tagen kam in einer Stadt, in der ich eine Lesung hielt, ein Mädchen auf mich zu, Greta. Sie hielt eines meiner ersten Bücher an die Brust gedrückt, nämlich „Kira und das Geisterpferd“, sprach mich an und sagte mir: „Das war mein erstes Buch! Kannst du mir das bitte unterschreiben?!“ Das war eine wunderschöne Begegnung. Sie liebte dieses Buch, und es war wunderbar, dass wir uns getroffen und miteinander gesprochen haben.
Ich kann mich auch noch an meine ersten Bücher erinnern. Ich habe auch heute noch eine große Liebe zu Büchern in mir. Bücher sind mir mit das Kostbarste auf der Welt, viel kostbarer als ein Fernseher, eine CD oder meine alten Schallplatten und Kassetten. Bücher sind kostbarer als schicke Kleidung, Autos, Gold und Geschmeide. Als Kind haben mich Bücher immer begleitet. Ich trug sie mit mir rum, ich las sie unter der Bettdecke bis tief in die Nacht. Lesen war ein wundersamer Teil meiner Jugend und des Lebens. Später verlor ich es eine Weile. Dann schaffte ich den Fernseher ab und gewann es erneut. Die Erwachsenen vergessen das Leben sehr leicht. Die, die das tun, sind dafür zu bedauern und zu schelten. Kinder urteilen nicht so leicht vorschnell wie Erwachsene. Sie leben meistens den Moment intensiver. So lesen sie auch. Seite für Seite, nicht in Erwartung eines vorhergesehenen Ziels. Sie irren sich natürlich auch. Sogar oft. Aber sie tun es auf eine unverbogene Art.
Kinder haben, wenn sie auch nicht all das erworbene Wissen haben und den politischen und sozialen Kampf kämpfen können, den wir Erwachsene kämpfen könnten, den freieren Geist. Kinder leiden unter der Welt. Erwachsene tun so, als hätten sie die Welt im Griff. Das Kind in mir sieht die Welt sehr direkt. Und das Kind in mir hadert oft mit der Erwachsenenwelt. Das Kind in mir ist immer noch stark und aufrecht.
Christian Morgenstern hat einmal geschrieben: „Was wirkt am innerlich glühenden Menschen nicht übertrieben? Steht er nicht ewig wie unter lauter Großmüttern und Großvätern? Und geht und spricht er drum nicht am liebsten zu - Kindern?“ Und etwas in mir sagt sich immer: „Ihr sollt sein wie die Kinder.“

André Marx
Was würdet ihr euch wünschen, das Kinder aus den Büchern ‚Das wilde Pack’ mitnehmen?
Boris: Die Lust und den Mut, das Leben mit eigenen Augen zu sehen. Den Mut, auf andere zuzugehen und Banden zu bilden.
André: Echt? Also, Banden sind doch eigentlich doof, oder? Banden grenzen ja auch aus. Aber das Leben mit eigenen Augen sehen, ich glaube, das ist der Punkt. Wir sind tagtäglich von absolut wahnwitzigen Dingen umgeben, die wir schon längst nicht mehr als solche wahrnehmen. Ich würde mir wünschen, dass unsere Geschichten ein wenig den Blick für diesen alltäglichen Wahnsinn schärfen.
Aber ich freue mich auch, wenn ein Kind sagt: Das Buch habe ich gern gelesen, es war spannend und lustig. Mehr erwarte ich gar nicht.

Hamlet
Wie wart ihr als Kinder? Hättet ihr euch eure Bücher gewünscht?
Boris: Ich habe mir als Junge die Bücher gewünscht, die ich damals in die Finger bekommen konnte und als meine liebsten Bücher wusste: „Jim Knopf“, „Pipi Langstrumpf“, „Kalle Blomquist“, Bücher von Ottfried Preußler, die Abenteuer und Detektivbücher der Zeit, „Jan“ zum Beispiel. Dann die orangen Bücher aus dem Beltz & Gelberg Verlag, schwedische Kinderbücher, Märchen, Sagen, Geschichten von Außenseitern, Geschichten über die Geschichte. Ich habe als Kind viel gelesen. Das Wilde Pack gab es damals nicht. Ich kann nicht sagen, ob ich es mir gewünscht hätte. Aber die Kinder heute sagen mir, dass sie sich das Wilde Pack wünschen. Und ich glaube, dass Hamlet und Barnabas, Oskar, Tulpe und Ampel genauso in die Zeit heute gehören, wie damals Pipi und Jim zu mir gehörten.
André: Lustig, ich habe exakt KEINES dieser Bücher gelesen, die Boris aufgezählt hat. Das heißt, doch, „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler. Ich war eher serienbesessen, wollte immer mehr und mehr von den Fünf Freunden, den Drei ??? und Burg Schreckenstein. Ich glaube, deshalb hätte mir Das Wilde Pack auch damals schon gefallen. Ich mag es, wenn Geschichten mit einem langen Atem über viele, viele Episoden erzählt werden. Das hat mir schon als Kind gefallen, dass man praktisch immer wieder zu seinen Freunden zurückkehren kann, weil es immer wieder einen neuen Band gibt.

Boris Pfeiffer
Sind die Bücher als Fantasy Bücher geschrieben worden oder könnt ihr euch vorstellen, dass Tiere in Zukunft wirklich frei leben können?
Boris: Wir werden immer mehr Menschen, und wir engen diese Welt für die anderen Lebewesen – für die ohnmächtigen Menschen, die Tiere, die Pflanzen, die Erde selbst – immer mehr ein. Wir beuten sie aus und wir vernichten sie sogar. Wir sind offensichtlich zu primitiv, die Erde und ihre Lebewesen zu behüten und schützen. Wir denken immer noch, dass man Geld doch essen kann. Die meisten der mächtigen Menschen - nicht alle, aber ich glaube wirklich die meisten - sind gierig, unsozial und egoistisch. Vielleicht auch nur überfordert.
Es sieht nicht so aus, als würden die Tiere in Zukunft mehr Freiheit bekommen. Die Bevölkerung der Meere stirbt jetzt schon an der Überfischung aus. Was die Erde retten könnte sind Vorstellungskraft und Empathie. Ich kann mir vorstellen, dass die Meere nicht totgefischt werden (ich kann auch auf Fisch beim Essen verzichten). Ich kann mir vorstellen, dass es Gebiete auf der Erde gibt, die die Menschen nicht betreten dürfen. Wenn viele Menschen das können – und es in eine Tat umsetzen - dann ist alles möglich. Es liegt (in einem gewissen Rahmen, den wir selber bestimmen können, danach nicht mehr) an uns, den Menschen.
André: Ich sehe das gleichzeitig optimistischer und pessimistischer. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass die meisten Menschen gierig, unsozial und egoistisch sind. Eher die wenigsten. Eigentlich wollen doch alle in einer friedlichen, sozialen Welt leben, in der keine einzige Tierart mehr aussterben muss. Jeder möchte ein guter Mensch sein und alles richtig machen. Aber es gelingt kaum jemandem. Und warum nicht? Weil allein die bloße Existenz eines Menschen der Natur schon eine Menge abverlangt. Bevor wir auch nur halbwegs eigenständig denken und handeln können, haben wir wahrscheinlich schon mehr Ressourcen verbraucht als ein Elefant in seinem ganzen Leben.
Wir essen und trinken, wir tragen Kleidung, wir verschmutzen Wasser und Luft, wir brauchen ein Dach über dem Kopf und Möbel und Wärme und Licht, und wir verbrauchen Unmengen an Energie bei so ziemlich allem, was wir tun, noch bevor wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Das Beste, was wir für die Welt tun könnten, wäre aufhören zu existieren. Die gute Nachricht ist: Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Menschheit auch nur ansatzweise das Zeug dazu hat, besonders lange – in weltgeschichtlichem Sinne – auf diesem Planeten durchzuhalten. In ein paar Tausend Jahren wird sich das Thema also vermutlich erledigt haben.

André Marx
Wie viele Bände von ‚Das wilde Pack’ schreibt ihr noch? Und wisst ihr schon wie die Geschichte ausgehen soll?
Boris: Wir wissen es, ja. Wir denken immer noch darüber nach, wie es genau sein wird, aber im Grunde wissen wir es. Und es werden ungefähr 20 oder 25 Bücher.
André: Ja, wir versuchen auf jeden Fall, die Reihe zu Ende zu bringen, bevor die Menschheit ausstirbt. ;-) Das wäre doch sehr wünschenswert.