

Das ist ein Hof, auf dem alte oder kranke Tiere in Ruhe leben dürfen.
Oft müssen diese Tiere erst mal gesund gepflegt werden. Dazu braucht man viel Ruhe und Geduld.
Kranke oder alte Pferde werden häufig von ihren Besitzern abgegeben. Entweder weil sie keine Zeit, kein Geld oder keine Lust mehr haben, ihre Pferde zu versorgen. Meistens weil sie ihre Pferde nicht mehr reiten können, wenn sie zu alt oder krank sind.
Pferde gelten leider häufig als ‚Nutztiere’, das bedeutet:
sie werden geritten, ziehen Kutschen oder arbeiten im Wald.
Sobald sie krank oder alt werden, können sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen.
Sie werden geschlachtet oder eingeschläfert.
Wenn sie Glück haben, dürfen sie ihre restliche Lebenszeit auf einem Gnadenhof verbringen.
Bea gehört ein Gnadenhof in Deutschland.
Sie ist so was wie ein Engel für Pferde.
Es gelingt ihr immer, dass die Pferde ihre Vertraute werden.
Alle Pferde haben eine eigene Geschichte, die meist sehr traurig ist.
Aber Bea hat ein riesengroßes Herz für Pferde und schon viele von ihnen vor dem Schlachter gerettet.
Auf ihrem Gnadenhof schenkt sie ihnen einen liebevollen und interessanten Lebensabend.
Elfenkönig wurde im Alter von einem halben Jahr von seiner Mutter getrennt und verkauft. Seine Besitzerin bildete ihn zu einem 'Dressurpferd' aus. 11 Jahre ging das so.
Dann bekam Elfenkönig eine Augenentzündung.
Diese wurde mit Salbe behandelt. Bei einer Behandlung hielt er nicht still und die Salbentube verletzte sein Auge.
Er ließ niemanden mehr an das Auge und musste in die Klinik.
Das Auge war nicht mehr zu retten und es erblindete.
Das gefiel Elfenkönig gar nicht, er konnte einen großen Teil seiner Umgebung nicht mehr sehen. Pferde sehen sehr gut Bewegungen, um sich zu schützen. Sie sind Fluchttiere und laufen vor Gefahr schnell weg. So wurde er ängstlich und auch sehr unruhig.
Elfenkönigs Besitzerin kam wohl nicht mehr mit ihm klar und wollte ihn verkaufen. Nach 11 Jahren musste Elfenkönig zu anderen Menschen.
Dort wurde er gleich geritten und lahmte nach kurzer Zeit.
Daher wollten diese Leute ihn auch nicht behalten.
Also rief Elfenkönigs Besitzerin auf meinem Gnadenhof an – entweder ich übernehme Elfenkönig oder sie würde ihn einschläfern lassen.
Die Herde auf meinem Hof war schon groß, aber ich versprach mich nach einem schönen Platz für ihn umzusehen.
Bis dahin stand Elfenkönig alleine auf der Weide und hatte einen Stall von den anderen Pferden entfernt.
Alle, die ihn anschauten, fanden sein blindes Auge hässlich. Dabei ist Elfenkönig ein schönes Pferd: ein Schimmel mit dunkler Mähne, einem schönen Kopf und einer guten Figur. Aber die Leute sahen nur das Auge und nicht ihn.
Also fuhr ich mit einem Pferde-Anhänger hin.
Elfenkönig kannte bereits Hänger, weil er damit zu Turnieren gefahren wurde. Er mochte keine Hänger. Ich sprach ruhig mit ihm und hatte auch Möhren mitgebracht. Aber er wollte trotz allem nicht in den Hänger.
Ich sprach weiter mit ihm und schließlich ging er hinein. Nach einer halben Stunde Fahrt kam er auf meinem Hof an. Da erwarteten ihn schon andere Pferde, ein Warmblut mit einer Traberin, ein Haflinger, ein Schwarzwälder Fuchs.
Er durfte erst mal auf die Weide nebenan. So viel Neues! Am ersten Tag waren die anderen Pferde viel zu interessant, um an essen zu denken.
Nach ein paar Tagen durfte er zu den anderen mit auf die Weide.
Der Herdenchef zeigte ihm erst mal den Rang in der Herde und dass die Traberin seine Stute war. Das konnte Elfenkönig akzeptieren und von da an war er Teil dieser Herde.
Ich bin ganz ruhig und freundlich zu ihm. Auch wenn er mal den Platz nicht abschätzen kann und mich anrempelt, weil er doch auf einer Seite nichts sieht.
Ich spreche viel mit ihm, berühre ihn und zeige ihm so, wo ich gerade bin. So muss er sich nicht immer nach mir umdrehen.
Elfenkönig braucht viele Schmuseeinheiten und wenn ich mal zu wenig Zeit habe, wird er krank – damit ich mir mehr Zeit für ihn nehme.
Ein Spezialist schaute nach, warum er lahmte und zeigte mir ein paar Übungen, wie ich ihm helfen kann.
Einige seiner Wirbel wachsen zusammen, das tut ihm weh und dann lahmt er. (Man nennt das Kissing Spines)
Elfenkönig ist nun schon seit 8 Jahren auf meinem Hof. Er weiß, dass er nicht mehr umziehen muss. Dass er nicht mehr ‚arbeiten’ muss und trotzdem umsorgt wird.
Er hat hier viele Namen – Elfenkönig, Schöner, Zicke (wenn er sich mal komisch anstellt) oder Schmusebär. Seine Mähne ist in der Zwischenzeit weiß geworden. Schimmel werden mit dem Alter immer weißer.
Wenn ihm etwas weh tut, kommt der Tierarzt.
Regelmäßig werden seine Hufe gepflegt und geraspelt, weil zu lange Hufe den Sehnen und den Hufen selber schaden.
Inzwischen hat er seine eigene Stute und ist ziemlich zufrieden mit seinem Leben.
Kurz nach ihm kamen zwei junge Pferde. Mit ihnen spielt er viel und er ärgert sie auch mal.
Aber, was die zwei jungen Pferde erlebt haben, ist wieder eine andere Geschichte.