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Wunderschöne, wahre Tiergeschichten

Der Autor Jeffrey Masson lebt mit seiner Familie in Neuseeland.
Er hat auf einer langen Reise durch Amerika viele Menschen besucht, die mit Tieren zusammenleben, die von den meisten Leuten als „Essen“ angesehen werden.
Über diese Begegnungen und viel Interessantes über verschiedene Tiere, hat er das Buch "Wovon Schafe träumen" geschrieben.
"Wovon Schafe träumen" ist kein Kinderbuch, aber hier stellen wir dir einige schöne Geschichten daraus vor.
Jeffrey Masson hat dafür sein Einverständnis gegeben.

Karen Davis ist eine der führenden Hühner-Expertinnen und die Gründerin der Organisation „United Poultry Concerns“. Diese amerikanische Organisation möchte die Menschen über die unglaublichen Fähigkeiten von Hühnern und anderen Vögeln aufklären.

Karen erzählt, dass ihr Huhn Muffie sich mit ihrem „adoptierten“ Truthahn Mila anfreundete. Die beiden mochten sich vom ersten Augenblick an und gingen in den Garten hinaus, um gemeinsam nach Nahrung zu suchen; manchmal putzten sie einander sogar mit großer Sorgfalt, glätteten die Federn und gurrten sanft. „Eines ihrer bevorzugten Rituale, fand an den Abenden statt, wenn ich ihr Wasser austauschte und den Schlauch in ihre Schalen hielt“, erzählte Davis. „Muffie und Mila folgten den winzigen Rinnsalen, die sich am Boden ausbreiteten, tranken im Gehen, wobei Muffie losstürmte und wie eine flinke braune Elfe trank, während Mila träumerisch taumelte und nippte und stoßweise ihre Flötentöne piepste.“

Sie waren zwar nicht zusammen aufgewachsen, stellten aber eine innige Verbindung zwischen sich her. Beide wussten, dass sie keine Artgenossen waren, doch das schien nicht den geringsten Einfluss auf ihre Freundschaft zu haben. Zweifellos mochten sie sich einfach.

Die „Tamworth“-Rasse ist eine der ältesten Hausschwein-Züchtungen.

Im Jahre 1998 fesselte das sogenannten „Tamworth-Duo“ die Phantasie der Briten, als zwei Schweine von einem Lastwagen flohen, der sie zum Schlachthof befördern sollte, einen Gang unter einem Zaun gruben, durch einen Fluss schwammen und sich in einem Dickicht versteckten, aus dem sie nicht mehr hervorgelockt werden konnten. Diese als denkwürdig betrachtete Flucht trug den zwei „Ausreißern“ ein hohes Maß an öffentlicher Sympathie ein.

Selbst der Schlachter Jeremy Newman, der sie fünf Tage später als Erster entdeckte, gab unumwunden zu: „In diesem Geschäft kann man sich zwar keine Sentimentalitäten erlauben, aber ich wünsche ihnen viel Glück. Ich denke, sie waren klüger als wir – und zeigten bei ihrer Flucht viel Initiative. Als sie mich erspähten, machten sie sich auf der Stelle davon, so schnell die Beine sie trugen.“

Aufgrund dieses Vorfalls wurde einigen Leuten zum ersten Mal bewusst, dass ein Schwein nicht sterben will. Es gab mehrere hundert Angebote, die beiden Schweine für den Rest ihres Lebens an einem sicheren Ort unterzubringen. Heute befinden sie sich in einem Tierreservat, wo sie nie mehr vor dem Schlachthof Angst haben müssen.

Kim Sturla arbeitet in einem Tierschutz-Reservat im Norden von Kalifornien in Amerika. Es heißt „Animal Place“ und ist die Heimat vieler Tiere.

Alle Schweine sind sehr unterschiedlich. Einige sind unabhängig und robust und lassen sich durch nichts aus der Bahn werfen. Andere wiederum sind äußerst empfindlich und versinken viel leichter in Traurigkeit oder gar Depression. Hierzu fällt mir eine Geschichte ein, die Kim Sturla mir über Floyd erzählte. Dieses Schwein lebte zusammen mit all seinen Geschwistern im Schweinehimmel in einer tollen Auffangstation namens Farm Sanctuary. Aus verschiedenen komplizierten Gründen musste es im Alter von neun Monaten in das Reservat „Animal Place“ transportiert werden. Daran ist nichts auszusetzen: Es gibt kaum einen besseren Ort als Animal Place noch eine liebevollere Mutter als Kim Sturla. Sie wusste sofort, dass sie es mit einer sensiblen Seele zu tun hatte. Floyd ging schnurstracks in den Stall und kam nicht wieder heraus. Er fraß nicht, obwohl Sturla ihm die allerbesten Weintrauben anbot, die sie ihm mit der Hand hinhielt. Sie machte ihn mit Penelope bekannt, einer jungen, süßen, unterwürfigen Sau. Er aber wollte nicht mit ihr spielen, sondern wimmerte nur, als weinte er vor Trauer. Offenbar steckte er in einer tiefen Depression. Dieses Schwein schien keine Überlebenschance zu haben; es gab auf. Sturla konnte nicht herausfinden, was genau ihm fehlte. Schließlich kam Diane Miller vorbei, die Floyds Tierpflegerin im Farm Sanctuary gewesen war, um der Sache auf den Grund zu gehen. In dem Augenblick, da er sie sah, änderte sich sein gesamtes Verhalten. Er beschnupperte sie mit erleichtertem Gesichtsausdruck, war plötzlich gefühlsbetont, lebendig und quiekte vor Vergnügen. Das gleiche Schwein, das sich zuvor kaum bewegt hatte, rannte zum Lastwagen und sprang auf die Ladefläche, bereit, nach Hause zu fahren. Das war sein einziger Wunsch: heimzukehren zu den Schweinen, die er kannte und liebte.

Auch diese tolle Geschichte handelt von einem Schwein, dass in dem Tierheim „Animal Sanctuary“ lebt. Es ist wirklich unglaublich, was dieses Schwein geschafft hat…

Lulu ist ein 100 kg schweres Hängebauchschwein, das in „Animal Place“ lebt. Als Joanne Altsmann eines Nachmittags in ihrer Küche unwohl war, durchbrach Lulu eine Hundetür, die für einen 10 kg schweren Hund gemacht war, und schürfte sich ihre Flanken dabei derart auf, dass sie bluteten. Auf die Straße rennend, zog sie die Aufmerksamkeit auf sich, indem sie sich mitten auf die Fahrbahn legte, bis ein Auto anhielt. Dann führte sie den Fahrer zum Haus ihrer Besitzerin, die einen Herzanfall erlitten hatte. Altsmann wurde eilends ins Krankenhaus gebracht und die Tierschutzorganisation ASPCA verlieh Lulu für deren Heldentat eine Goldmedaille. Altsmann weiß tief in ihrem Inneren, dass Lulus sechster Sinn ihr das Leben gerettet hat.

Gene Bauston vom Farm Sanctuary, einem Tierreservat in Kalifornien, schilderte dem Autoren Jeffrey Masson die Freundschaft zwischen Hope und Johnny und veranschaulichte damit, welch ausgeprägten Sinn für Treue die Schweine haben und wie sehr sie sich miteinander verbunden fühlen.

Hope war mit einem schwer verletzten Bein aus einem Schlachthof gerettet worden. Für das Bein kam jede Hilfe zu spät, so dass sie lernen musste, mit einem stark eingeschränkten Bewegungsvermögen zurechtzukommen. Sie konnte zwar auf ihren drei gesunden Beinen durch den Stall hüpfen, aber nicht richtig gehen. Johnny, der viel jünger war als Hope, baute eine enge Beziehung zu ihr auf. Nachts schlief er stets dicht neben ihr und hielt sie in kalten Stunden warm. Morgens dann, wenn Bauston Hope Schalen mit Nahrung und Wasser brachte, blieb Johnny bei ihr, um zu verhindern, dass andere Schweine sie bedrängten oder ihr die Nahrung wegnahmen. Tagsüber trieb er sich die meiste Zeit mit Hope im Stall herum. Als sie in hohem Alter starb, war Johnny immer noch ein junger und gesunder Eber. Vielleicht hatte er keine Vorstellung vom Tod, doch der Tod seiner engsten Freundin schien ihn völlig niederzuschmettern; er starb plötzlich und unerwartet wenige Wochen nach Hope – möglicherweise an gebrochenem Herzen.

Auch Schafe entwickeln zu anderen Tieren enge Beziehungen. Auf seiner Reise durch den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten besuchte Jeffrey Masson einen kleinen Ort in Missouri, um Mary Hurt zu treffen, die auf einer etwa dreißig Hektar großen Farm lebt.

Sie hatte eine Kuh namens Whisper (Flüstern), denn wenn diese muhte, klang es wie ein Flüstern. Whisper war blind zur Welt gekommen. Als der Nachbar, auf dessen Feld sie geboren wurde, sie einfach liegen lassen wollte, damit sie alleine stirbt, trug Corey, Mary Hurts zwanzigjähriger Sohn, sie fast einen Kilometer weit durch den Regen zum eigenen Hof. Zur allgemeinen Verblüffung, fand „Rammo“, ein zweijähriger, sehr männlicher Schafsbock, Gefallen an ihr. Schafböcke sind oft Einzelgänger, und da er ein ziemlich harter „Bursche“ war, schien es äußerst unwahrscheinlich, dass er sich mit dem blinden Mitglied einer anderen Tierart überhaupt befassen würde. Doch genau das tat er. Mary erzählte mir, er habe „irgendwie das Gefühl gehabt, sie beschützen zu müssen“. Und auch das tat er. Den ganzen Tag über graste er neben ihr, führte sie über das Feld und achtete darauf, dass sie nicht an Zäune oder Pfähle stieß. Sie war eine extrem zärtliche Kuh, die es liebte, bei Kindern zu stehen, wenn sie Volleyball spielten, und oft versuchte, am Spiel teilzunehmen.
Whisper wurde vier Jahre alt und starb dann 1996 an einer Virusinfektion. Rammo trauerte lange um sie, verharrte neben ihrem toten Körper und stieß unablässig Klagelaute aus.

In Neuseeland besucht Jeffrey Masson eine Frau mit dem Namen Marilyn Waring. Sie ist Politikerin und hat einen Bauernhof mit vielen Ziegen. Sie hat etwas erzählt, was die meisten von uns bisher nicht wussten…

Ziegen unterhalten eine Art Kinderkrippe. Geißen säugen die Jungen nur drei oder vier Mal täglich und haben das dringende Bedürfnis, bei erstbester Gelegenheit von ihnen wegzukommen. Plötzlich stehlen sie sich davon, um irgendwo eine saftige Wiese zu finden. Aber eigentlich lassen sie ihre Zicklein nicht im Stich. Während die Muttertiere eifrig essen, werden mehrere Junge von zwei oder drei „Tantchen“ zusammengetrieben, die in der Nähe stehen und dafür sorgen, dass die Kleinen keine Not leiden, sich nicht allzu weit entfernen und niemals allein sind. Wenn ernste Probleme auftauchen, die von den „Tantchen“ nicht bewältigt werden können, meckern diese laut in Richtung der anderen Ziegen.

Der Autor des Buchs „Wovon Schafe träumen“, Jeffrey Masson, hat außerdem folgende unglaubliche Geschichte erfahren:

Als 1995 in einem Schlachthaus der amerikanischen Kleinstadt Hopkinston in Massachusetts, ein fünf Jahre altes, schwarz-weißes, mehr als 700 kg schweres Holstein-Rind gerade betäubt und dann abgehäutet werden sollte, sprang es plötzlich wie ein Rentier über einen anderthalb Meter hohen Zaun. Der Angestellte im Schlachthaus, der die Szene beobachtete, traute seinen Augen nicht. „Sie wusste einfach, was auf sie zukam“, sagte er anschließend.
Die Kuh flüchtete in die Wälder, wo sie sich angeblich einem Rotwildrudel anschloss. Irgendwie erhielt sie den Namen Emily. Leute erspähten sie in den Wäldern, und ihr Ruf als ungewöhnlich schlaue Kuh wuchs genauso wie die Sympathie für ihre Flucht. In den fünf Wochen, die sie frei war, beschloss die Leitung des Schlachthauses, sie einzufangen und zu schlachten. Aber in der Hoffnung, ihr Leben zu retten, überredete eine Gruppe von Bürgern den Besitzer, ihnen die Kuh für einen Dollar zu verkaufen. Nun bestand das einzige Problem noch darin, sie einzufangen; sie misstraute nämlich den Menschen und blieb in den Wäldern. Polizisten und Tierpfleger versuchten sie einzufangen, meinten jedoch, sie sei ihnen zu schnell und zu listig. Daraufhin folgte ihr Meg Randa, die zu den neuen Besitzern gehörte, in die Wälder, setzte sich hin und rührte sich vier Stunden nicht von der Stelle. Schließlich kam Emily neugierig herbei und nahm Nahrung aus einem Eimer mit Körnern an, die Megs Ehemann Lewis ihr hinhielt. Vier Tage lang blieb das Paar in der Nähe der Kuh und gewann allmählich ihr Vertrauen.
Nach ihrem vierzigsten Tag in der Wüste war Emily endlich bereit, in den Anhänger zu steigen, den die beiden dort geparkt hatten. Beim Eintreten zitterte sie zunächst, doch dann wurde sie zur Peace Abbey transportiert, einer Schule und Zufluchtsstätte für Tiere.

Helden Für Tiere
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Sarah weiß, dass man ein Publikum begeistern kann, ohne dass dafür Tiere leiden müssen.